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Verdinglichung nach Lukács

In der ersten Seminarstunde haben wir begonnen Textstellen aus dem Buch "Verdinglichung" von Axel Honneth zu lesen. In der letzten Stunde haben wir das erste Kapitel "Verdinglichung bei Lukács" analysiert.
Der Autor Axel Honneth stellt dort zu Beginn fest, warum er mit den Ausführungen von Verdinglichung bei Lukács beginnt. Seiner Meinung nach habe Lukács gute Ansätze zur Erklärung des Verdinglichungsbegriffs, jedoch habe er seine festgestellten Vorgänge noch nicht richtig erfasst. Lukács erklärt den Begriff der Verdinglichung zuerst mit einem Zitat von Marx "daß eine Beziehung zwischen Personen den Charakter einer Dinghaftigkeit erhält". Lukács führt dann aus, dass sich die Verdinglichung im Zuge des Kapitalismus und des Warentausches etabliert hat. Lukács sieht dies aber nicht nur aus der ökonomischen Sicht, sondern bezieht es auf das gesamte Alltagsleben. Demnach sind alle "Subjekte" gezwungen einen Perspektivenwechsel vorzunehmen, wenn sie am Kapitalismus teilnehmen wollen. Die "Subjekte" müssen lernen sich selbst und ihre Umgebung nach dem Schema bloß dinglicher Objekte wahrzunehmen. Durch die neutrale, sachliche Haltung sind sie bloß Beobachter und keine Teilnehmer des sozialen Geschehens mehr. Diese Einstellung wird dann zu ihrer "zweiten Natur" und wird durch die Sozialisationsprozesse zur Gewohnheit und bestimmt das individuelle Verhalten im gesamten Alltagsleben.

Aufgrund dieser Feststellung ist nun in unserem Seminar eine große Diskussion entbrannt, in dem wir diese Aussage von Lukács auf unser heutiges Leben transformiert haben. Wir haben festgestellt, dass es dort Übereinstimmmungen gibt. Beispielsweise werden wir in unserer heutigen Gesellschaft sehr stark von den Medien beeinflusst, durch z.B Werbung oder Fernsehen, doch auch auf Online Plattformen wie Facebook bildet sich eine Art Verdinglichung. Z.B. werden viele Dinge nur gepostet um meinen "Freunden" zu zeigen was für tolle Sachen ich doch mache und wo ich nicht schon alles war. Auch die ganzen "Freunde" die ich unter Facebook habe sind keine wirklichen Freunde. Ich kenne von meinen 500 Facebookfreunden vielleicht 10 wirklich richtig gut, mit denen unternehme ich auch etwas und auf die kann ich mich auch wirklich verlassen. Doch was ist mit den restlichen 490? Die habe ich einfach nur um zu zeigen, dass ich nicht alleine bin, dass ich beliebt bin, sozialisiert oder um einfach mein eigenes Selbstbewusstsein zu stärken. Jedoch eine wirkliche menschliche Beziehung habe ich nicht mit ihnen aufgebaut, gut manche kennt man aus der Schule oder der Uni aber die meisten grüße ich noch nicht mal wenn ich ihnen begegne. Sie sind nur zum Zweck der Dinge da und nicht weil ich wirklich mit ihnen befreundet bin oder sein möchte. Und dieses Denken hat sich schon so in unsere Köpfe eingebrannt, dass wir das als ganz normal ansehen und keine Verdinglichung dahinter erkennen. Es hat sich durch den Sozialisationsprozess in unseren Alltag etabliert. Noch deutlicher kann man diesen Verdinglichungsprozess auf Datingplattformen wie Tinder beobachten. Dort werden die Menschen nur in zwei Kategorien unterteilt, in gefällt mir oder gefällt mir nicht. Wir beurteilen nur das Äußere des potentiellen Partners und nicht mehr seinen Charakter. Das andere Geschlecht wird nur auf das Äußere reduziert und beurteilt. Und die meisten sind dort nicht um die große Liebe zu finden, sondern um möglichst viele Sexualpartner zu sammeln.
Ein weiterer Verdinglichungsprozess kommt dort dazu, man muss nicht mehr auf die Straße oder in Bars um einen Sexualpartner kennen zu lernen, das kann man einfach gemütlich von der Couch aus mit dem Smartphone erledigen. Man wischt einfach hin und her und sucht sich so seinen Partner ohne das lästige kennen lernen und quatschen. Viele würden jetzt sagen wir machen uns das Suchen leichter, Honneth und Lukács würden sagen die Partnersuche wurde verdinglicht.
1.5.16 23:22
 


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