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Ronja von Rönne- Wir kommen

Zum Thema Sozialpsychologie haben wir uns nun einen aktuellen Roman ausgesucht, "Wir kommen" von Ronja von Rönne. Dieses Buch versucht die heutige "wohlbehüteste und depressivste" Generation darzustellen. In dem Buch geht es um die Vierecksbeziehung von Nora, Jonas, Karl und Leonie und wie diese versuchen sich immer wieder einzureden glücklich zu sein um ihre Beziehung aufrecht zu erhalten.
Ich möchte mich hier auf ein sehr kurzes Kapitel in dem Buch konzentrieren um die Unglücklichkeit in der Beziehung und den sozialpsychologischen Hintergrund zu reflektieren. Es geht um das Kapitel 27 (im E-Book auf S.103) "Es muss die beste Feier...".

In diesem Kapitel wird eigentlich sehr deutlich, dass alle die in dieser Beziehung involviert sind sehr unglücklich sind. Die Vier sagen einander jeden Tag, dass sie glücklich sind und etwas Besonderes seien. Doch als keiner mehr so richtig daran glaubt beschließen Sie eine Party zu feiern, damit es Ihnen jemand anderes sagen und bestätigen kann. Alle konzentrieren sich auf diese Feier und "es muss die beste Feier aller Zeiten werden", "sie muss uns heilen" schreibt die Ich-Erzählerin Nora. "Wir brauchen eine Feier, die uns die Gleichgültigkeit nimmt, vielleicht passiert etwas Schreckliches, vielleicht können wir gemeinsam jemanden aus dem Meer retten oder einen Krankenwagen rufen, vielleicht gibt es ein Feuerwerk, das wir uns zu viert ansehen können, während alle anderen allein sind, oder höchstens zu zweit." Alle hoffen, dass etwas passiert dass sie aus dem Unglücklichsein rauskommen, doch es passiert nichts. Und in solchen Situationen erinnert sich Nora immer wieder mit Rückblenden an ihre Freundin Maja zurück. Diese hat nicht gewartet bis etwas passiert ist, sondern sie war entschlossen genug etwas passieren zu lassen. Nora folgte Maja wie ein Schatten, sie hatte jemanden dem sie folgen konnte und jemanden der ihr zeigt wo es lang geht, auch wenn Nora manchmal anderer Meinung war befolgte sie doch die Anweisungen von Maja.
Doch Maja ist nicht mehr da und somit klammert sich Nora an diese Vierecksbeziehung die sie aber eigentlich noch unglücklicher macht. Aber es ist für sie besser als allein zu sein.
"Wir brauchen irgendjemanden, der uns ein Zeugnis ausstellt, das besagt, wir hätten alles richtig gemacht. Wer
das Zeugnis ausstellt, ist letzten Endes egal. Wir brauchen Außenbewertung, wir haben zu lange keine unglücklichen Menschen mehr gesehen, wir wissen ja gar nicht, wie gut wir es haben. Wir haben uns so viel gesehen, dass es mühsam erscheint, sich noch daran zu erinnern, wie schön wir sind." Immer wieder schreibt Nora es ist nur eine "schwierige Phase" und sie kommen da schon wieder raus, sie brauchen nur jemanden der es ihnen bestätigt und sie müssen sich nur umschauen und werden dann sehen, dass sie glücklicher sind als alle anderen. Jedoch sieht die Realität anders aus, alle vier flüchten sich in eine andere Welt. Karl schreibt einBuch über Glück, obwohl er selbst gar nicht glücklich ist, Jonas spielt nur mit Emma-Lou, Leonie ist magersüchtig und verletzt sich selbst und Nora bekommt Panikattacken und trauert ihrer alten Freundin Maja hinter her. Und alle Vier flüchten gemeinsam von der Stadt ans Meer, weil sie denken so ihre Probleme zu lösen und die Beziehung retten zu können.
Dabei kommt einem aber diese Beziehung wie eine schlechte Kopie aus Noras und Karls Vergangenheit vor. In Ihrer Jugend hatten die beiden schon einmal eine Vierer- Beziehung mit Maja und Thomas. Diese Beziehung wurde von Maja bestimmt und alle machten mit. Es scheint so als wollen Nora und Karl dies aufrecht erhalten sie haben sich dafür nur zwei neue Partner gesucht und wollen somit die Beziehung mehr oder weniger retten weil sie ihnen vertraut ist und nicht weil sie sich alle lieben.
9.5.16 13:46


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Verdinglichung nach Lukács

In der ersten Seminarstunde haben wir begonnen Textstellen aus dem Buch "Verdinglichung" von Axel Honneth zu lesen. In der letzten Stunde haben wir das erste Kapitel "Verdinglichung bei Lukács" analysiert.
Der Autor Axel Honneth stellt dort zu Beginn fest, warum er mit den Ausführungen von Verdinglichung bei Lukács beginnt. Seiner Meinung nach habe Lukács gute Ansätze zur Erklärung des Verdinglichungsbegriffs, jedoch habe er seine festgestellten Vorgänge noch nicht richtig erfasst. Lukács erklärt den Begriff der Verdinglichung zuerst mit einem Zitat von Marx "daß eine Beziehung zwischen Personen den Charakter einer Dinghaftigkeit erhält". Lukács führt dann aus, dass sich die Verdinglichung im Zuge des Kapitalismus und des Warentausches etabliert hat. Lukács sieht dies aber nicht nur aus der ökonomischen Sicht, sondern bezieht es auf das gesamte Alltagsleben. Demnach sind alle "Subjekte" gezwungen einen Perspektivenwechsel vorzunehmen, wenn sie am Kapitalismus teilnehmen wollen. Die "Subjekte" müssen lernen sich selbst und ihre Umgebung nach dem Schema bloß dinglicher Objekte wahrzunehmen. Durch die neutrale, sachliche Haltung sind sie bloß Beobachter und keine Teilnehmer des sozialen Geschehens mehr. Diese Einstellung wird dann zu ihrer "zweiten Natur" und wird durch die Sozialisationsprozesse zur Gewohnheit und bestimmt das individuelle Verhalten im gesamten Alltagsleben.

Aufgrund dieser Feststellung ist nun in unserem Seminar eine große Diskussion entbrannt, in dem wir diese Aussage von Lukács auf unser heutiges Leben transformiert haben. Wir haben festgestellt, dass es dort Übereinstimmmungen gibt. Beispielsweise werden wir in unserer heutigen Gesellschaft sehr stark von den Medien beeinflusst, durch z.B Werbung oder Fernsehen, doch auch auf Online Plattformen wie Facebook bildet sich eine Art Verdinglichung. Z.B. werden viele Dinge nur gepostet um meinen "Freunden" zu zeigen was für tolle Sachen ich doch mache und wo ich nicht schon alles war. Auch die ganzen "Freunde" die ich unter Facebook habe sind keine wirklichen Freunde. Ich kenne von meinen 500 Facebookfreunden vielleicht 10 wirklich richtig gut, mit denen unternehme ich auch etwas und auf die kann ich mich auch wirklich verlassen. Doch was ist mit den restlichen 490? Die habe ich einfach nur um zu zeigen, dass ich nicht alleine bin, dass ich beliebt bin, sozialisiert oder um einfach mein eigenes Selbstbewusstsein zu stärken. Jedoch eine wirkliche menschliche Beziehung habe ich nicht mit ihnen aufgebaut, gut manche kennt man aus der Schule oder der Uni aber die meisten grüße ich noch nicht mal wenn ich ihnen begegne. Sie sind nur zum Zweck der Dinge da und nicht weil ich wirklich mit ihnen befreundet bin oder sein möchte. Und dieses Denken hat sich schon so in unsere Köpfe eingebrannt, dass wir das als ganz normal ansehen und keine Verdinglichung dahinter erkennen. Es hat sich durch den Sozialisationsprozess in unseren Alltag etabliert. Noch deutlicher kann man diesen Verdinglichungsprozess auf Datingplattformen wie Tinder beobachten. Dort werden die Menschen nur in zwei Kategorien unterteilt, in gefällt mir oder gefällt mir nicht. Wir beurteilen nur das Äußere des potentiellen Partners und nicht mehr seinen Charakter. Das andere Geschlecht wird nur auf das Äußere reduziert und beurteilt. Und die meisten sind dort nicht um die große Liebe zu finden, sondern um möglichst viele Sexualpartner zu sammeln.
Ein weiterer Verdinglichungsprozess kommt dort dazu, man muss nicht mehr auf die Straße oder in Bars um einen Sexualpartner kennen zu lernen, das kann man einfach gemütlich von der Couch aus mit dem Smartphone erledigen. Man wischt einfach hin und her und sucht sich so seinen Partner ohne das lästige kennen lernen und quatschen. Viele würden jetzt sagen wir machen uns das Suchen leichter, Honneth und Lukács würden sagen die Partnersuche wurde verdinglicht.
1.5.16 23:22


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